Aus der Geschichte der Gaststätte „Deutsches Haus“ in Habitzheim

Gründung durch die Familie Kopp im Jahre 1898 Langgasse 10

(lng) Bei seiner Forschungsarbeit über die vielen Gaststätten im Otzberger Ortsteil Habitzheim (es waren mindestens 14 über die Jahrhunderte), von denen es heute leider nur noch eine gibt, ist Ortshistoriker Heinrich Eichhorn auch auf die Geschichte der Gaststätte „Deutsches Haus“ in der Langgasse 10 gestoßen, die im Jahre 1898 gegründet und im Jahre 1901 mit Errichtung eines Saales aufgestockt wurde. Der alte Hausname war Dörr, und erstmals wird ein Peter Dörr (geboren um 1613, gestorben 28. April 1693 in Habitzheim) als Wingertsmann in dem Familienbuch Habitzheim erwähnt, das Eichhorn für seine Studien diente. Acht Generationen später steht ein Johann Valentin Dörr (geboren am 3. Juni 1820, gestorben am 18. Dezember 1909) als Bäckermeister in diesem Buch, der Urgroßvater von Waltraud Fischer (geb. Kopp). In erster Ehe war er verheiratet mit Anna Maria Dörr (geboren am 25. Februar 1829, gestorben am 24. Oktober 1864), sie hatten 10 Kinder. Die zweite Ehe war er mit Maria Holzheid (geboren am 31. Mai 1851 in Dieterswies in Bayern, gestorben am 28. September 1913 in Habitzheim) eingegangen, die eine Tochter und einen Sohn hatten. Tochter Babette (geboren am 14. Februar 1881, gestorben am 27. Januar 1959 in Habitzheim), bekannt in Habitzheim damals als „Dörrebäckers Bawwett“. Babette heiratete am 17. November 1898 den Kaufmann Georg Ludwig Kopp (geboren am 12. Oktober 1872 in Groß – Zimmern, gestorben am 30. Juli 1926 in Darmstadt). Wie Eichhorn bei seinen Recherchen erfahren hat, gründeten sie die Gaststätte „Deutsches Haus“ in Habitzheim. Er, Georg Ludwig Kopp, hatte für die Führung eines Gaststättenbetriebs die Erfahrung mitgebracht, denn er stammte aus der Gaststätte „Darmstädter Hof“ in Groß-Zimmern (wenn man die Biergasse von Klein-Zimmern kommend geradeaus fahre, sei man darauf gestoßen, so der Hinweis Eichhorns). Den Gastwirt Georg Ludwig Kopp beschreibt Eichhorn als einen bekannten lustigen Mann, der gerne Gitarre spielte und auch vor dem Großherzog auftrat. Dieser erfüllte sogar Georg Ludwigs Wunsch, einmal mit einem Sechsspänner von Darmstadt nach Habitzheim gefahren zu werden, wo die Überraschung bei der Bevölkerung natürlich groß war.


Auf die Geschichte der Gaststätte „Deutsches Haus“ in Habitzheim ist Ortshistoriker Heinrich Eichhorn bei seiner Forschungsarbeit über die einst vielen Gaststätten im Otzberger Ortsteil Habitzheim gestoßen. Die Gaststätte „Deutsches Haus“, im Jahre 1898 gegründet, befand sich in der Langgasse 10. Freundlicherweise haben die Nachfahren der Gründerfamilie Kopp das Bild dem Häzemer Dorf- und Kulturverein zur Verfügung gestellt. lng

Die Großmutter Babette Dörr hatte laut Eichhorn den Bruder Heinrich und 10 Stiefgeschwister. Zwei Stiefbrüder davon, Valentin und Leonard, sind nach Amerika ausgewandert. Es gibt eine alte, allerdings nie abgeschickte Postkarte, mit dem „Deutschen Haus“ und der evangelischen Kirche von Habitzheim mit einer Adresse von New York. Zudem konnte der Habitzheimer Orthistoriker in Erfahrung bringen, dass Georg Ludwig und Babette Kopp zwei Söhne hatten: Emil (geboren am 14. September 1900, gestorben am 4. Juni 1967) und Karl-Wilhelm (geboren am 17. Januar 1905, gestorben am 23. Januar 1978). Georg Ludwig arbeitete auch als Vertreter für den „Starkenburger Pferdeversicherungsverein“, bei Ausübung dieser Tätigkeit wurde er 1926 zwischen Habitzheim und Lengfeld bei einem Unfall schwer verletzt und starb daran in Darmstadt im Krankenhaus. Eichhorn kann auch berichten, dass der Saal in der Gaststätte von einigen Habitzheimer Vereinen zum Ball genutzt wurde, hier ist für ihn besonders der „Gickelsball“ erwähnenswert, auch an Kerb sei immer Tanz gewesen. „Das erzählte mir meine Großmutter, Maria Enders (geb. Schließmann), die dort immer mit ihrem Mann Johann an Kerb zum Tanz war (Heirat 1911)“, ergänzt er seine Recherchen.

Auch der TSV Habitzheim habe für einige Jahre das „Deutsche Haus“ als seine Vereinsgaststätte ausgewählt. Nach dem Tod des Vaters Georg Ludwig sei später von Sohn Karl die Gaststätte übernommen und von ihm bis 1967 weitergeführt worden. Danach war sie bis 1972 an die Firma Michelsbräu verpachtet, bis schließlich die Firma Spieler dort im Saal ihre Kleider produzierte. Außerdem konnte Eichhorn beim Studium der historischen Unterlagen entnehmen, dass nach dem Krieg 1945 auch amerikanische Soldaten die Gaststätte gern besuchten. 1946 bot im Saal eine Tanzschule mit Frau Horvadt Tanzunterricht an, und an der Kerb 1946 schreibt Anton Geiger, der Nachbar von gegenüber, in seinem Tagebuch: „Eine ganz arme Kirchweih, es war die erste nach dem Krieg. Bei Russenschuck und Kopps ist Tanzmusik. Die Veranstaltungen sind alle überfüllt!“

1949 wurde am „Deutschen Haus“ der „Kerbstrauß“ aufgehängt, ebenfalls hier der „Kerbspruch“ verlesen. Kerbvadder sei damals Richard Rill gewesen. Schließlich erwähnt Habitzheims Ortshistoriker noch, dass es zu Zeiten des Bäckermeisters Johann Valentin Dörr im Gebäude, wo sich später die Gasstätte „Deutsches Haus“ befand, eine Bäckerei gab mit der Besonderheit, dass der Backofen, der in der Küche war, bis in das Anwesen Rapp hineinragte („Hennerschrappe“), heute Seeger. Erst bei Um- und Neubauarbeiten habe man ihn abgebrochen, weiß Eichhorn abschließend.