Ende des zweiten Weltkrieges in Habitzheim

Heutiger Otzberger Ortsteil blieb vor größeren Schäden verschont

(lng) In der kleinen Gemeinde Habitzheim blieb man bis auf Schreckensmeldungen und Nachrichten von gefallenen Soldaten verschont. Erste Bestürzung kam auf, als man nach dem 11. September 1944 erfuhr, dass eine Frau aus dem Ort bei dem Bombenangriff auf Darmstadt ums Leben kam, die dort im Krankenhaus war.

Die nächste direkte Berührung gab es am 23. Februar, als zwei Bomben auf Habitzheim fielen. Die eine traf das Schulhaus und hat es schwer beschädigt, die andere fiel in einen Garten in der Schulstraße, schildert Heinrich Eichhorn die Geschehnisse am Ende des 2. Weltkrieges in diesem heutigen Otzberger Ortsteil mit Hilfe einer kurzen Zusammenfassung von Zeitzeugenberichten, die der Häzemer Dorf- und Kulturverein, dem er als Vorstandsmitglied angehört, seit Bestehen gesammelt und die Eichhorn auch niedergeschrieben hat. Einige Brandbomben seien auch in der Krötengasse gefallen, hätten aber keinen großen Schaden angerichtet.

Dann sei der 25. März 1945 gekommen, der Palmsonntag. Laut Zeitzeugen, von denen einige nicht mehr leben würden, war schon in der Nacht von Samstag auf Sonntag viel Betrieb im Ort. Durchziehende deutsche Soldaten, die teilweise auch Unterkunft suchten, wurden bemerkt. Auch Leute vom Volkssturm waren dabei. Sonntags war wie meist um 8.30 Uhr Gottesdienst in der katholischen Kirche. Als man Schüsse von Tieffliegern hörte, hat der Pfarrer den Gottesdienst abgebrochen und die Besucher nach Hause geschickt. Aufgestellte Geschütze mit deutscher Besatzung sind abgerückt und wurden außerhalb vom Ort abgestellt, hat Heimatforscher Heinrich Eichhorn seitens der Zeitzeugen weiter erfahren. So kann er berichten, dass die amerikanischen Panzer von Spachbrücken kamen und in die damalige Burggasse einfuhren. Einer der ersten Panzer bog in die Semder Straße ein und beschädigte den dort stehenden Brunnen. Das offene Loch verfüllten die Soldaten mit „Scheitholz“, das sie von dem Gartengelände gegenüber wegnahmen. Zu dem Zeitpunkt als der erste Panzer in der Burggasse Einblick in die Ortsmitte hatte, war der katholische Küster, der taub war, unterwegs zu seinem Bruder, der in der Burggasse wohnte. Auf ihn und auf einen deutschen Soldaten eröffneten die Amerikaner das Feuer, und beide wurden getötet. Wie in den Zeitzeugenberichten Heimatforscher Eichhorn ferner nachlesen konnte, gab es beim weiteren Vorrücken ein Feuergefecht mit einem weiteren Soldaten, der sich im Bereich der beiden Kirchen aufhielt und schwer verwundet wurde. Er verstarb später im Lazarett in Groß-Umstadt. Nachdem die Panzer um die evangelische Kirche gefahren waren und in die Langgasse einsehen konnten, wechselte ein deutscher Soldat die Straßenseite. Auch auf ihn wurde geschossen, und er wurde so schwer verwundet, dass er gleich danach verstarb. Somit wurde trotz dreier Menschenleben Habitzheim von größerem Schaden verschont. Alle drei Getöteten wurden nebeneinander auf dem Habitzheimer Friedhof beerdigt.

Nachdem Weltkriegsveteranen aus dem 1. Krieg mit den Geschützbesatzungen geredet hatten und sie um Abzug baten, gab es auch keinen Widerstand, weder militärisch noch von Seiten der Bevölkerung. Viele Amerikaner blieben dann einige Tage im Ort, und es wurde fast die Hälfte der Häuser evakuiert. So mussten die Leute bei Verwandten und Freunden unterkommen. Zeitweise waren dann bis zu 30 Personen in den verbliebenen Häusern untergebracht, so Eichhorn zu den Ereignissen zum Kriegsende in Habitzheim abschließend.