Geschichte des Gasthauses „Zum goldenen Engel“

(lng) Nach einigen interessanten Beiträgen zur Ortsgeschichte widmet sich Heinrich Eichhorn nun den ehemaligen Gaststätten in seinem Heimatort. Als Erstes hat sich der Ortshistoriker mit dem Gasthaus „Zum goldenen Engel“ beschäftigt und erfuhr bei seinen Recherchen, dass es sich hier ausschließlich um die Habitzheimer Familie Büchler handelt, heute Schlossgasse 1, die erstmals in Verbindung mit einem Johann Valentin Büchler, getauft im Jahr 1661 in Brensbach, erwähnt wird. Er war Bäckermeister und heiratete 1685 seine erste Ehefrau Anna Margaretha, die bereits 1685 verstarb. Die zweite Ehe wurde am 1. September 1685 mit Maria Rapp in Habitzheim geschlossen. Sie hatten fünf Kinder, und der zweite Sohn, Johannes, geboren 1686, führte die Bäckerei weiter und war verheiratet mit Anna Sauer aus Georgenhausen. Zur Familie gehörten sieben Kinder. Sohn Johann Henrich 1720 geboren, das fünfte Kind, wurde Gerichtsschöffe, Kastenmeister, Kirchenältester und Bäckermeister, der die Bäckerei übernahm und mit seiner Ehefrau Catharina Elisabetha Lämmermann aus Habitzheim acht Kinder hatte. Das dritte Kind, der 1755 geborene Sohn Johannes, betätigte sich ebenfalls als Bäckermeister, zudem als Gemeinsmann und Gerichtsschöffe und wird in dem „Familienbuch Habitzheim“ als erster Wirt des Gasthauses „Zum goldenen Engel“ genannt.

Mit der Geschichte des Gasthauses „Zum goldenen Engel“ in Habitzheim hat sich Heinrich Eichhorn, Ortshistoriker dieses Otzberger Ortsteils, befasst. Das Bild des Gasthauses, aufgenommen vor 1939, hat freundlicherweise die Familie Büchler zur Verfügung gestellt. Allerdings gab es das Gasthaus „Zum goldenen Engel“ bereits 1914 nach dem Tod des letzten Wirtes nicht mehr. lng
Mit der Geschichte des Gasthauses „Zum goldenen Engel“ in Habitzheim hat sich Heinrich Eichhorn, Ortshistoriker dieses Otzberger Ortsteils, befasst. Das Bild des Gasthauses, aufgenommen vor 1939, hat freundlicherweise die Familie Büchler zur Verfügung gestellt. Allerdings gab es das Gasthaus „Zum goldenen Engel“ bereits 1914 nach dem Tod des letzten Wirtes nicht mehr. lng

Ortshistoriker Eichhorn hat von Familie Büchler erfahren, dass im Jahr 1786 das Haus umgebaut und im Torhaus ein Saal errichtet wurde. „Somit gab es das Gasthaus bestimmt schon vor 1786“, vermutet Eichhorn. Johannes Büchler habe 1780 Maria Sorg aus Semd geheiratet, die elf Kinder hatten. Ihr ältester Sohn Johann Heinrich, geboren 1782, habe die Bäckerei und das Gasthaus „Zum goldenen Engel“ übernommen, der außerdem Leutnant bei der Landwehr gewesen sei. Hierzu merkt Eichhorn an, dass ein weiterer Sohn von Johannes Büchler ebenfalls Bäckermeister und Wirt vom Gasthaus „Zum Lamm“ war. Der Wirt vom Gasthaus „Zum goldenen Engel“ Johann Heinrich, Ortsbürger und Bäckermeister, hat 1805 Anna Catharina Eidmann aus Semd geheiratet. Das sechste von zehn Kindern sei Johann Heinrich II. gewesen, geboren 1816. Auch er habe sich als Gemeinsmann, Ackersmann und Gastwirt betätigt und 1839 Elisabetha Köhler aus Habitzheim geehelicht. Aus dieser Ehe sei nur ein Sohn, Heinrich III. hervorgegangen, geboren 1840. Heinrich III., ebenfalls ein Ackersmann und Gastwirt, habe 1862 Elisabetha Dintelmann aus Spachbrücken geheiratet, die fünf Kinder hatten. Als dieser im Jahr 1914 verstarb, gab es laut Nachforschungen von Ortshistoriker Eichhorn das Gasthaus „Zum goldenen Engel“ nicht mehr. Sohn Heinrich IV. habe nun die Landwirtschaft weiter betrieben.

Habitzheims Ortshistoriker Heinrich Eichhorn beschäftigt sich unter anderem auch mit den einstigen Gaststätten in diesem Otzberger Ortsteil. Dazu gehört auch das ehemalige Gasthaus „Zum goldenen Engel“ der Familie Büchler, das nach dem Tod des letzten aktiven Wirtes 1914 geschlossen wurde. Das Gasthausschild kam nach Reinheim und verzierte dort die Fassade des Museums. Leider wurde es später im Reinheimer Bauhof als Schrott abgelagert. Die Einzelteile konnten Mitglieder des Häzemer Dorf- und Kulturvereins nach Habitzheim holen, und ein Schlosser und Kunstschmied aus Münster fügte die Einzelteile wieder zusammen. Nach einer aufwändigen Renovierung wurde dieses geschmiedete Kunstwerk, das Gasthausschild „Zum goldenen Engel“, auf dem Grundstück der Familie Büchler aufgestellt. Josef Jakob, Fotograf des Häzemer Dorf- und Kulturvereins, hat dieses Schmuckstück im Bild festgehalten. Foto: Josef Jakob/Text: lng

Wie Eichhorn ferner recherchiert hat, wurde Johannes Büchler im Jahr 1812 erlaubt, ein Gasthausschild aufzuhängen. Der Text „Erteilung der Schildwirtschaftsprivilegien im Hessischen und der Wirtschaftskonzessionen allda des Johann Büchler zu Habitzheim“ stamme aus dem Landesarchiv Baden-Württemberg im Kloster Bronnbach (Staatsarchiv Wertheim R-Rep.65d/Nr. 15). Zu diesem Gasthausschild, angefertigt sicher von einem der vielen Habitzheimer Schmiede, gebe es eine eigene Story, so Eichhorn, dem leider nicht bekannt ist, wie lange das Schild am Hause Büchler hing. „Da der letzte aktive Wirt 1914 verstarb, bestimmt aber bis dahin. Danach, wann auch immer, kam es nach Reinheim und verzierte dort die Fassade vom Museum.“ Im Herbst 2011 habe sich Dora Dörr (geborene Büchler), eine Nachfahrin der Büchlers, aus der Schlossgasse beim Häzemer Dorf- und Kulturverein gemeldet und darauf aufmerksam gemacht, dass besagtes Gaststättenschild nicht mehr am Museum in Reinheim zu sehen sei. Nachforschungen ließen für Eichhorn Schlimmes vermuten. Wie er zu dieser Angelegenheit berichtet, war das schmiedeeiserne Kunstwerk nämlich nach Spachbrücken zum Reinheimer Bauhof auf den Schrott gebracht worden. Nach einigen Telefonaten konnten Vereinsmitglieder die Einzelteile des Schildes wieder nach Habitzheim holen. Zunächst sei der Dorf- und Kulturverein der Meinung gewesen, selbst Hand anzulegen und eine Restauration vorzunehmen. Doch die filigrane Schmiedetechnik habe dies nicht zugelassen. Anfragen bei ortsansässigen Unternehmen hätten ein erschreckendes Ergebnis gebracht bezüglich der Finanzierung einer Restaurierung. Bis im Herbst 2015 eine Verbindung mit einer Schlosserei und Kunstschmiede aus Münster bei Dieburg aufgenommen worden sei. Nach einigen Wochen, wie Ortshistoriker Eichhorn weiter ausführt, kam die Nachricht aus Münster, dass alle Teile des Schildes zusammengefügt worden waren und es nun zum Verzinken gegeben werden könne. Mitglieder des Häzemer Dorf- und Kulturvereins hätten das Kunstwerk in der Schmiede begutachtet und seien sehr erstaunt und zufrieden mit der Arbeit dieser Firma gewesen. Am 10. August 2016 ist dieses geschmiedete Kunstwerk aus dem 19. Jahrhundert, das Gasthausschild „Zum goldenen Engel“ in Habitzheim, auf dem Grundstück der Familie Büchler aufgestellt worden. Eichhorn erinnert daran, dass die offizielle Einweihung am 26. August 2016 anlässlich eines Straßenfestes im Rahmen der Otzbergwoche erfolgte. Dazu hätten Mitglieder des Dorf- und Kulturvereins einen Sketch aufgeführt, der den Besuch des Schinderhannes im Jahr 1802 in der Gaststätte zeigte. Doch auch zum Besuch des Schinderhannes in Habitzheim gebe es eine nachweisbare Geschichte, hat Eichhorn festgestellt. Denn in dem Buch „Schinderhannes“ von Dr. Mark Scheibe, der die Prozess- und Polizeiakten des Schinderhannes aufgearbeitet habe, stehe auf Seite 184, dass er, der Johannes Bückler, in Habitzheim dem Pferdehändler Henrich Rapp im Februar 1802 gestohlene Pferde, wie schon öfters zuvor, verkaufte. Somit bekomme die Sage, dass der Schinderhannes im Gasthaus „Zum goldenen Engel“ in Habitzheim verweilte, einen nachweisbaren Hintergrund, meint Heinrich Eichhorn abschließend.