Per Hand gebohrt

Mühselige Arbeit bei der Herstellung einer Holzröhrenleitung
Weitere Nachforschungen des Habitzheimer Ortshistorikers Heinrich Eichhorn zur Wasserversorgung in früheren Zeiten

(lng) Als bei der Erneuerung der Brücke über den Heuweg in Habitzheim im Jahr 2013 die Bauarbeiter Holzrohre und eine schmiedeeiserne Muffe fanden, begann sich der Habitzheimer Ortshistoriker Heinrich Eichhorn für diese Teile zu interessieren und fand nach aufwändigen Recherchen heraus, dass die Holzstücke aus dem ersten Wasserleitungsbau in Habitzheim in den Jahren 1859/60 stammen.

Aufbau von Stellagen beim Herstellen einer Holzröhre.
© AK Heimat und Geschichte Königsberg

Nun gab es nach seinem Bericht über den Fund der alten Habitzheimer Wasserleitung viele Nachfragen, wie eigentlich eine solche Holzröhrenleitung angefertigt wurde. Eichhorn, selbst neugierig geworden, begann mit dem Studium historischer Unterlagen und erfuhr, dass ein Lärchenstamm mit einem Handbohrer der Länge nach durchgebohrt wurde. Vor vielen hundert Jahren oder gar noch weiter zurück in der Geschichte sei die Herstellung von Rohren noch keine Massenfertigung gewesen. Um eine Wasserleitung herzustellen, mussten Baumstämme mit reiner Muskelkraft durchbohrt werden, erklärt Eichhorn aufgrund seiner Forschungsergebnisse. Zum Einsatz kamen drei Bohrer mit fünf, sieben und zehn Zentimeter Durchmesser, mit denen nach und nach der Kern des Stammes herausgebohrt wurde, so dass eine Röhre entstand. Zum Wasserleitungsbohren hätten als Werkzeuge eine vier Meter lange Bohrstange und ein Hebel zum Drehen gehört. „Diese Arbeit erforderte auch Augenmaß und Präzision“, macht der Habitzheimer Ortshistoriker deutlich.

Der Bohrer wird eingeführt bei der Herstellung einer Holzröhre.
© AK Heimat und Geschichte Königsberg

Denn der Bohrer musste exakt nivelliert sein und während des Bohrens nachjustiert werden, um völlig waagrecht ausgerichtet genau die Mitte des Stammes zu treffen. Mit einem solchen Bohrwerkzeug lasse sich eine Holzröhre nicht am Stück durchbohren, hat Eichhorn zudem zur Kenntnis genommen. „Die Bohrstangen hatten kein durchgehendes Bohrgewinde, weshalb der Bohrer nach einigen Umdrehungen bereits wieder herausgezogen werden musste, um die sich stauenden Späne zu entfernen. Dann wurde erneut angesetzt“, erläutert Eichhorn diese mühselige Arbeit. So verlange die Prozedur nicht nur viel Kraft, sondern der Bohrer arbeite sich wie in Zeitlupe durch den Stamm.

Ansetzen eines Bohrers zur Herstellung einer Holzröhre
© AK Heimat und Geschichte Königsberg

Weiter hat Eichhorn festgestellt, dass die Lebensdauer solcher Leitungen erheblich schwankte. Wenn die Rohre in feuchter Erde luftdicht vergraben lägen, hätten sie hundert Jahre lang ihren Dienst oder gar noch länger verrichten können. Wenn allerdings Luft ans Holz gelange, beginne es zu modern, und die hölzerne Wasserleitung sei vielleicht schon nach zehn Jahren hinüber.

 

 

Bearbeitung eines Lärchenstammes zur Herstellung einer Holzröhre.
© AK Heimat und Geschichte Königsberg

Reste solcher Rohrleitungen, die bei Ausgrabungen gefunden würden, seien teilweise jedoch mehrere hundert Jahre alt, so Eichhorn zum Thema Holzröhrenleitungen zur Wasserversorgung. In Habitzheim entschied man sich aus Kostengründen seinerzeit für den Bau einer Holzröhren-Wasserleitung, die laut Voranschlag auf eine Summe von 768 Gulden kam. Eine Wasserleitung mit Eisenröhren wäre um viele Hunderte von Gulden teurer geworden.