Zur früheren Sicherstellung der Wasserversorgung für Mensch und Vieh

Einst gab es in Habitzheim zehn öffentliche Brunnen bis zur Inbetriebnahme der Wasserleitung 1955

(lng) Ohne trinkbares Wasser, das wichtigste Lebensmittel seit Menschengedenken, gebe es kein Leben auf der Erde. „Demzufolge ließen sich unsere Ahnen dort, wo es dieses Gut gab, nieder“, sagt Habitzheims Ortshistoriker Heinrich Eichhorn, der sich schon längere Zeit mit der Wasserversorgung befasst. Auch umherziehende, in alter Zeit nicht sesshafte Nomadenstämme hätten ihre Lager an Flüssen, Bächen und Seen aufgeschlagen, um auf das kostbare Nass nicht zu verzichten. Und genau dort seien auch die ersten Siedlungen entstanden.

Wo aber die Wassermenge aus dem fließenden Gewässer nicht mehr ausgereicht oder die Qualität sich verschlechtert habe, seien Quellen gefasst oder Brunnen errichtet worden, hat der engagierte Ortshistoriker recherchiert und kann durch seine Forschungsarbeit auch einiges zu den Brunnen als Anlagen zur Gewinnung von Grundwasser erklären. So werde ein meist runder gemauerter Schacht bis zu wasserführenden Schichten abgeteuft. Durch die offene Sohle bzw. seitlichen Öffnungen der Brunnenwand trete das Wasser ein, dessen Förderung nach oben im einfachsten Fall mit einem am Seil hängenden Gefäß geschehe. Bereits die Antike habe aus Stein errichtete Brunnen mit mechanisierten Seilwinden gekannt. Schöpf- und Ziehbrunnen wurden im Mittelalter noch sehr oft aus Holz erbaut. „Nur wenige Ziehbrunnen, wie wir sie aus der ungarischen Puszta kennen, waren in unserer Gegend im 15. Jahrhundert bekannt“, fügt Eichhorn hinzu und erinnert daran, dass die Holzschnitte der zu Luthers Lebenszeit herausgegebenen Bibeln erste Darstellungen von Brunnen enthalten.

öffentliche Brunnen in Habitzheim
Schon längere Zeit beschäftigt sich Habitzheims Ortshistoriker Heinrich Eichhorn mit der Wasserversorgung in diesem Otzberger Ortsteil und kann durch seine Forschungsarbeit auch Interessantes zu den Brunnen als Anlagen zur Gewinnung von Grundwasser erklären, von denen es einst in Habitzheim zehn öffentliche Brunnen gab. So befand sich je einer von ihnen am Semder Eck (rechts) und einer in der Langgasse am Anwesen von „Peterantons“ (links). Diese Bilder stammen aus der umfangreichen Sammlung von Heinrich Eichhorn für den Häzemer Dorf- und Kulturverein, der freundlicherweise die Bilder zur Verfügung stellte. lng

Als in Habitzheim die Bevölkerung zugenommen habe, musste man Brunnen errichten, um gutes Trinkwasser zu erhalten. Die Wasserversorgung für Mensch und Vieh sicherzustellen, sei mit dem Bau von öffentlichen Brunnen begonnen worden. Bis zum Bau der Wasserleitung gab es laut Eichhorn in Habitzheim zehn öffentliche Brunnen. Ein elfter an der Ecke Burggrabenstraße/Semder Straße sei von den ersten amerikanischen Panzern am 25. März 1945 beim Einbiegen in Richtung Semd umgefahren worden. „Die Brunnensäule war aus Beton und ging dabei zu Bruch. Damit kein Fahrzeug in dem ‚Loch‘ hängen blieb, hatten die Soldaten es mit Holzscheiten gefüllt“, erfuhr Eichhorn bei seinen weiteren Recherchen. Er nennt auch noch Standorte der anderen Brunnen wie beispielsweise denjenigen in der Langgasse in Richtung Ortsmitte vor dem Wohnhaus der Familie Jakob („Peterantons“) am Straßenrand. Über diesen Brunnen gebe es zu berichten, dass im Jahr 1823 eine Habitzheimer Frau ihr neugeborenes Kind darin ertränkte. Auch hätten diesen Brunnen mehrmals Fuhrwerke umgefahren, so dass dieser auf die andere Straßenseite vor das Schulhoftor verlegt wurde. Eichhorn kennt auch noch weitere Brunnenstandorte wie unter anderem in der heutigen Schulstraße vor dem Garten des Anwesens Joschko, auf der Kreuzung vor der evangelischen Kirche, der verlegt wurde an die Ecke des Hauses Burggrabenstraße 2, weitere zwei Brunnen in der Burggrabenstraße, in der Krötengasse gegenüber dem heutigen Kindergarten und an der Ecke Krötengasse/Schillerstraße sowie den im Klinger Weg. Auch die Brunnen an der Ecke Langgasse/Falltorgasse und den in der Frühlingsau gehören zu Eichhorns Aufstellung. In der weiträumigen Habitzheimer Ortsmitte hätten fast alle Anwesen über einen privaten Brunnen verfügt und mussten daher die öffentlichen nicht benutzen. Auch im Hofgut habe es im Jahr 1859 zwei Brunnen gegeben, die wegen der damaligen Trockenheit nicht mehr zu gebrauchen waren. „Das hat man mit einer Wasserleitung aus der ‚Eckwiese‘ behoben“, so der Habitzheimer Ortshistoriker abschließend.